Autor Thema: [Aufruf/Suche] Scheiße erlebt? Lasst uns Schule träumen!  (Gelesen 20603 mal)

Offline mebede

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Antw:[Aufruf/Suche] Scheiße erlebt? Lasst uns Schule träumen!
« Antwort #60 am: 24. Juli 2015, 14:11:16 »
Ich finde auch, dass ein Einheitssystem nicht auf jeden passt. Bei Schulpflicht bin ich immer sehr zwiegespalten - einerseits ist die Schule für Sozialisierung und um Schülern nichts zu "meinungsgefärbtes" beizubringen, schon sinnvoll - andererseits leiden viele Schüler darunter. Sinnvoll fände ich die Möglichkeit einer reduzierten Stundenzahl für Schüler, die unter der Schule leiden und die sich sonst alles selber beibringen...
Übrigens, ich kenne bei mir im Jahrgang niemanden, der mit der Schule zufrieden ist, so wie sie ist. Aber natürlich sind da sehr  verschiedene Interessen, die einen finden es zu schwer, die anderen zu viel (unnötiges), die anderen zu leicht, den anderen fehlt die gezielte Behandlung ihrer Interessen, etc.
Dementsprechend ist, wenn es eine Einheitsschule gibt, niemand wirklich zufrieden. Und ob die Wirtschaft von den heutigen Schulabgängern profitiert, ist wirklich fraglich (ich kenne leider genug Menschen, die sagen, dass sie keine Azubis finden, die das können, was man von einem Schulabsolventen erwartet - teilweise fehlen die Hard Skills, teilweise die Soft-Skills, teilweise beides)
Gut fände ich ersteinmal Schulen/Klassen für unterschiedliche Lerntypen, mit unterschiedlichen Profilen und eine höhere Durchlässigkeit (ich finde die Eingangsklassen toll, in denen Schüler den Stoff der 1. und 2. Klasse in ein, zwei oder drei Jahren erlernen können - wieso ist das nicht auch in höheren Stufen so?)
Oder die Möglichkeit nach Lernplänen Stoff selbst zu erarbeiten, wäre für mich als Autodikatin toll, aber dann mit der Möglichkeit immer wieder Lehrer nach Rat zu fragen, in Fremdsprachen die Sprachen auch mal zu besprechen und wenn sinnvoll auch Stoff im Plenum zu diskutieren.

Aber ja, ich wäre durchaus daran interessiert, wie das Thema aus Sicht der Lehrerausbildung/Bildungswissenschaften zu sehen ist - möglichst auch mit Angabe des Bundeslandes ;)

PS: In einem Jahr bin ich aus der Anstalt raus!

Offline dave7788

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Antw:[Aufruf/Suche] Scheiße erlebt? Lasst uns Schule träumen!
« Antwort #61 am: 24. Juli 2015, 17:46:47 »
Lieber provinzler, ich würde gerne einige Sachen kommentieren:
Zitat
Ich denke eher, dass Schule einfach irgendwo auf einen "Durchschnittschüler" abzielt, in jeglicher Hinsicht (nicht nur Intelligenz). Für 2/3 ist es vielleicht ganz gut so wie es ist, den Rest drückt der verordnete Einheitsschuh, weil der Fuß einfach zu groß oder zu klein dafür ist. Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass mein Fuß sich da gefälligst anzupassen, oder ich Schmerzmittel zu schlucken habe, um nicht loszuschreien, nur weil man nur einen Einheitschuh anbieten kann/will und barfuss laufen aus Ideologiegründen verbietet.
Zitat

Wer sagt was von Schmerzmitteln und dergleichen. Und natürlich muss die Schule auf irgendeinen Durchschnittsschüler wie du es so abfällig sagst abzielen. Wie soll das bitte sonst gehen? Es geht um eine solide Grundausbildung. Und nicht darum es jedem Schüler recht zu machen. Das was du schreibst ich schlichtweg purer Egoismus: "ICH will das anders haben, weil ICH anders bin". Prima, du bist anders. Und nun? Denkst du auch an die anderen Schüler? Was hält dich davon ab mitzumachen in der Schule und darüber hinaus von Lehrern, Eltern, Internet deine Wissbegier stillen zu lassen? Du hast halt das überaus große Pech mit 80 Millionen Menschen in einem Staat zu leben, da muss nun einfach irgendwo ein für die meisten passendes System gewählt werden. Und ich spreche hier nur von System, nicht von Lehrern. Gerade deine Beiträge habe ich in den letzten Jahren oft gelesen, weil dort viele interessante Gedanken zu tage gekommen sind. Und du kannst wirklich diskutieren und reflektieren. Da hätten sich mit Sicherheit Lösungen gefunden, wenn du auf den richtigen Lehrer zugegangen wärst.

Zitat
Wenn für dich einen intelligenten Menschen auszeichnet, dass er sich das Rückgrat brechen lässt, nur weil die wenigsten über eines verfügen, dann finde ich das armselig.

Wenn du mich absichtlich missverstehen willst... dann bitte. Aber um das ging es nicht, Rückrat brechen, mal ehrlich...Es geht darum, sich auf etwas einlassen zu können, offen für Ideen zu sein, die einem gegen die eigenen Vorstellungen gehen. Wenn man das nicht schafft, wird man entweder sehr alleine und verbittert sein (Abschottung nach außen), oder man kommt zu einem Punkt, an welchem alles kategorisch abgewertet wird. Klingt für mich nicht sehr erstrebenswert.

Zitat
Mir passte der angebotene Schuh namens Schule einfach nie. Statt das zu akzeptieren, hat man trotzdem versucht mich da reinzupressen, und hat gesagt mein Fuß wär schuld, man müsste wie im Märchen die Zehen und Ferse abschneiden, damit er reinpasst.
Mir hätte auch ein andrer Lehrplan oder ein andres Pädagogikstudium für die Lehrer nix gebracht, solange das Grundkonzept Schule, also da täglich hinzulatschen, und die Zeit gezwungenermaßen totzuschlagen, erhalten geblieben wäre. Ich war und bin weitgehend Autodidakt, für mich waren das alles einfach nur störende Elemente. Ich kann nachvollziehen, dass viele Schüler gewisse Dinge benötigen um den Stoff zu behalten. Dinge wie Hausaufgaben oder die dreitausendsiebenhundertachtundfünfzigste Wiederholung des pythagoräischen Lehrsatzes. Für mich war das schlicht immer nur lästiger Ballast, unnütz abgesessene, verschwendete Zeit. Ich kann nachvollziehen, dass Großgruppen bestimmte Rituale benötigen, um den Zusammenhalt zu festigen. Ich konnte damit noch nie was anfangen... In der Schule gibts keine Möglichkeit sich diesem Zwang zu entziehen.

Du lehnst das alles ab, weil es dich einfach gestört und genervt hat und du unzufrieden warst. Ok, gut. Aber hast du dich nicht gefragt, ob hinter der ständigen Wiederholung oder den Hausaufgaben ein größeres Prinzip dahinter steckt? Viele Dinge, die in der Schule angewendet werden, sind wissenschaftlich(!) evaluiert. Es hat jedoch keiner gesagt, dass diese Dinge Spaß machen müssen. Sie sollen Wissen und Fertigkeiten mitgeben, die man für sein Leben brauchst. Dass dies nur Grundlagen sein können und vieles dabei ist, was man nicht brauchen wird, ist selbstverständlich. Wo dieses "Wissen lernen" und dieses "Fertigkeiten erarbeiten" angenehm sein kann und Spaß machen könnte, da sollte das auch so umgesetzt werden, von Lehrern UND Schülern (wenn einen 30 unmotivierte pubertierende , halb schlafende Jugendliche angucken und denken " was machen wir heute wider für nen $%&/", dann ist das zudem bestimmt super förderlich für die Gesamtsituation). In allen anderen Fällen wäre es doch mal ganz nett, wenn man zur Abwechslung das beste aus der Situation machen würde und nicht total angekotzt schon morgens in die Schule geht. Ist nur so eine Idee

Ich war auch nicht immer gern in der Schule und oft ging es mir auch nicht gut. Meine Schulzeit war nicht schön, sie war notwendig. Und wie man um ein Ziel zu erreichen notwendige Schritte gehen muss, ist das bei der Schule eben nicht anders.

Zu deinem Nazigesetzspruch sag ich nur eines: Irgendeinen polemischen geschichtlichem Vergleich zu bringen, der deiner Argumentation zu etwas mehr Würze verhilft, mit der gleichen Argumentation kann man auch die zur damaligen Zeit gebauten Autobahnen abreißen.


@mebede: Ja, das hast du ziemlich gut zusammengefasst. In meiner Nähe gab es ein Pilotprojekt, bei dem sich, ich glaube es war sogar eine Abiturklasse, in einigen Fächern selbständig auf das Abi vorbereitet hat. Es wurden nur Lehrer zur Verfügung gestellt, welche den Wissensstand überprüft haben, bzw. bei Fragen und Problemen Hilfestellungen gaben. Die Klasse hat übrigens leicht überdurchschnittlich abgeschnitten. Ich glaube, das hier gehört dazu, aber ohne Gewähr.http://www.zeit.de/2007/38/C-Allein-zum-Abitur

Was möchtest du denn genau wissen, ich glaube es wäre am besten wenn du ein paar konkrete Fragen stellst, die würde ich dann in meinen Büchern oder auf den entsprechenden Seiten recherchieren. Gegebenenfalls kann ich auch meine Dozentin fragen, die beschäftigt sich meines Wissens damit, bzw. sitzt in irgend einem Gremium. Am 30. und 31. habe ich meine (vermutlich) schwersten Prüfungen im Studium, deshalb könnte es ein paar Tage dauern mit der Antwort.
Dass du die unterschiedlichen Lerntypen ansprichst finde ich interessant. Meines Wissens ist das mit den Lerntypen ziemlich hinfällig, da gab es entsprechende Studien, bzw. die haben wohl keine signifikanten Ergebnisse hervorgebracht (ich such es dir gerne raus, wenn du magst)

PS: Verzeiht diesen sprachlich, orthographisch und grammatikalisch nicht sehr gelungen Beitrag, habe gerade nicht so viel Zeit  ;)

Offline mebede

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« Antwort #62 am: 24. Juli 2015, 20:35:53 »
Ich bin trotz allem für Individuelle Förderung - weil, es ist nun einmal jeder Mensch anders. Und der eine ist halt gut in Sport und der andere in Mathe. Da würde man natürlich durch Profilklassen auf den weiterführenden Schulen einiges erleichtern, weil die, die gut in Mathe sind, natürlich auch eher im Mathe/NW-Profil zu finden sind und die Sportlichen im Sport-Profil. Dabei sollte es eine freie Profilwahl geben, natürlich sollte es in jedem Fach Mindeststandards geben, die erreicht werden müssen.
Wie stehst du denn zu jahrgangsübergreifenden/-flexiblen Unterricht?

Ich weiß, dass individuelle Förderung im Alltag sehr schwierig umzusetzen ist, vor allem, wenn man das versucht alleine (also ohne Kollegen) umzusetzen.

Findest du denn, dass unsere Schulen noch "allgemeinbildend" sind, oder doch einiges Überflüssiges vermitteln?

Und findest du, dass Schulen so wie sie sind, gut sind? Oder würdest du etwas verändern wollen?

Wie stehst du zur Lehrerausbildung (in deinem Bundesland)? (Ich verstehe dass doch richtig, dass du Lehramtsanwärter bist, oder?) Findest du die so in Ordnung?
Also in NRW kenne ich zahlreiche Lehramtsstudenten, die sich durch ihr Studium nicht wirklich aufs Unterrichten vorbereitet fühlen (Stichwort: kaum pädagogisches Wissen wird vermittelt, enorm großer Unterschied zwischen Praxissemester und Referendariat).

Offline Gravita2003

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« Antwort #63 am: 12. Januar 2017, 19:53:34 »
Ich bin wirklich interessiert. Es gibt aber bereits Schulen die sich einen Schritt in die richtige Richtung bewegt haben. Aber ich denke bei vielen vor allem jungen Schülern spielt das Thema Mobbing oder einfach Ausgrenzung eine große Rolle. Es gibt HBschulen, aber jeder ist so wie er ist, und wir sind ja nicht hier um unds zu ändern, sondern mit unseren Macken und Problemen zurecht zu kommen. Aber vielleicht könnte man sich zusammen setzen und mal ein genaues Konzept des Forums oder der Schule zu erarbeiten. Einmal im Jahr gibt es eine Aktion wo Jugendliche zukunftsideen oder Verbesserung Bundestagsabgeordneten vorzutragen. Darauf könnte man ja mal erst hinarbeiten. Damit die Öffentlichkeit über das Problem HB an sich aufgeklärt wird. HBler sind schließlich auch nur Menschen und haben das Recht auf ein glückliches Leben.
LG Gravita2003
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Offline EmperorsSword

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« Antwort #64 am: 12. Februar 2017, 20:36:51 »
Tja unser Bildungssystem bräuchte kleinere Lerngruppen, in denen Lehrer auch mal zugeben können das Schüler Schlauer sind.

Wenn man das als Selbstläufer hat unterrichtet immer der schlauste ...
Evolutio semper vincit.

             aber

Memento mori.