Autor Thema: Prestige-Universitäten  (Gelesen 627 mal)

Online Daphnis

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Prestige-Universitäten
« am: 21. Juni 2018, 01:24:45 »
Im Zuge meiner frisch bestandenen Abiturprüfung kam mir erneut folgende Frage in den Sinn:

Sind die eminenten Unis wie Heidelberg, Harvard, Oxford wirklich so gut? Oder rekrutieren sie nicht eher die brilliantesten Köpfe weltweit?
Also im Grunde genommen eine Frage der Kausalität.
Bringt der Unterricht an jenen Universitäten die intellektuellen Superstars hervor, oder ist der herausragende Intellekt gerade das Selektionskriterium der vermeintlichen Elite-Unis?
Oder noch radikaler: Wie wertvoll ist ein Harvard-Abschluss wirklich? Und worin besteht sein tatsächlicher Wert?

(Quelle: Rolf Dobelli zum Thema „Swimmer's Body Illusion“ in: Die Kunst des klaren Denkens)

Offline Leuchtzwiebel

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Antw:Prestige-Universitäten
« Antwort #1 am: 21. Juni 2018, 10:14:38 »
Hey,

ohne jede Recherche oder Eigenerfahrung, aber aus Berichten von Bekannten, die an den jeweiligen Unis studiert haben/arbeiten -

Ein Physikstudent aus Heidelberg und eine wissenschaftliche Mitarbeiterin am Caltech sind dort jeweils sehr zufrieden, die Lehre/Ausstattung sei sehr gut gewesen und die Projekte an ihren jeweiligen Instituten werden auch finanziell gut gefördert.
Die Caltech-Mitarbeiterin ist außergewöhnlich begabt und kommt aus einfachem, bildungsfeindlichem Umfeld (muss man wirklich so sagen), kam also nicht durch das Geld ihrer Eltern oder Vitamin B dorthin. (Sie "kenne" ich nur aus einem kleinen Forum, aber ich weiß von mir persönlich bekannten Mitgliedern dort, dass ihre Geschichte wahr ist.)

Der beste Freund meines Partners hat dank Stipendium seine Masterarbeit in Oxford geschrieben. Auch hier war die Forschung wieder herausragend, allerdings war er von dem Standesdünkel überhaupt nicht begeistert.
Mit dem Rest bin ich gerade vorsichtig, da seine Erzählungen schon lange her sind und ich mich nur noch vage erinnern kann. Bei Interesse frage ich gern nochmal genauer nach!

/edit: Und herzlichen Glückwunsch zum Abi! Nun, da du das Elend endlich hinter dir hast, kann die Party beginnen. *Freudentanz aufführ*
« Letzte Änderung: 21. Juni 2018, 10:58:58 von Leuchtzwiebel »

Offline Stern

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Antw:Prestige-Universitäten
« Antwort #2 am: 21. Juni 2018, 13:58:02 »
Ich wusste gar nicht, dass Heidelberg als Prestige-Uni gilt. Wohl eher im Bereich der Medizin, oder? Jedenfalls, wenn ich Medizin studieren wollen würde, würde ich auch dorthin gehen, da die Ausstattung echt nicht schlecht zu sein scheint. Für jedes andere Studienfach würde ich behaupten, sei diese Uni auch nur eine von vielen anderen Unis, also nicht zwangsläufig besser, finde ich. Ich halte mich mit meiner Meinung jedoch zurück, da ich nicht selbst die Erfahrung als Student dort gemacht habe.
Und zu Harvard kann ich nichts sagen, außer mal meine Vermutung: Das ist ja laut Internet eine Privatuni... Erklärt erstens, falls es so sein sollte, die bessere Ausstattung, zweitens die Studenten dort, da diese dann ja nur aus gutem Elternhaus kommen oder aber Stipendien haben (wofür man ja auch etwas "Besonderes" haben muss).
Grundsätzlich, vor allem auf Heidelberg bezogen (aber wahrscheinlich auch generell, wenn das Finanzielle stimmt), vermute ich, dass der Abschluss nur auf Grund der weitläufig verbreiteten Meinung der Menschen als wertvoll deklariert ist. Da denkt sich also derjenige Mensch "oh, wow, der hat da seinen Abschluss gemacht, muss wohl intelligent sein!".... Um auf die Frage mit den "intellektuellen Superstars" einzugehen, müsste man sich die Geschichte der jeweiligen Unis anschauen, ansonsten könnte man nur spekulieren.
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Online Daphnis

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Antw:Prestige-Universitäten
« Antwort #3 am: 22. Juni 2018, 18:22:30 »
Interessant, dass die Ausstattung/Forschungsstand bei renommierten Unis tendenziell besser zu sein scheint, Privilegien folgen da anscheinend dem Image...
Oder doch andersherum?? Arghh, diese Intransparenz.

Ich denke ebenfalls, dass ein Abschluss an einer solchen Universität in derster Linie deshalb angesehen wird, weil der tradierte Konsens unserer Gesellschaft dies diktiert. Womöglich ist der Unterricht in Harvard gar nicht so gut, sondern die rekrutierten Schüler so brilliant. Trotzdem rühmt sich jede Universität mit Namen der Ehemaligen, den großen Wissenschaftlern, Schriftstellern, Philosophen, Erfindern. Als sei dies ein Indikator für die Qualität der dortigen Bildung.
Desweiteren erscheint mir der elitäre Numerus Clausus auch irgendwie suspekt: Ein Filter, der die wahrhaftigen Kausalitätsrelationen verschleiert.
Vielleicht gehe ich aber zu pessimistisch an die Sache ran... Und stimmt, man kann eben nur spekulieren.

@Leuchtzwiebel
Ich bin gerade etwas überrascht, ich dachte auch Heidelberg sei „nur“ für's Medizinstudium hervorragend. Also wie Stern schrieb.

Offline Ratatoskr

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Antw:Prestige-Universitäten
« Antwort #4 am: 25. Juni 2018, 21:34:53 »
Hui, spannende Frage. Und: Keine Ahnung. Ich würde davon ggf. die Frage trennen, ob diese Uni dir persönlich auch nützen mag.

Bei Harvard habe ich einen beschränkten Einblick erhalten. Wenn das nötige Kleingeld stimmt und die Leute wirklich nur studieren müssen und sich sonst mit nichts befassen müssen, mögen sie eine hervorragende Ausbildung umfassend genießen können und haben dazu noch das Gütesiegel, was teilweise eine Eintrittskarte bedeuten kann. Aus deutscher Sicht würde ich wohl kaum jemanden mit Undergraduate-Abschluss einstellen, denn ich hätte keinerlei Nachweis für selbständiges Denken und Handeln dadurch.
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Online Daphnis

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« Antwort #5 am: 25. Juni 2018, 22:19:53 »
Hey Ratatoskr!

Du hast einen beschränkten Einblick in Harvard bekommen? Kannst du vielleicht noch Näheres darüber erzählen? Mich würde mal ein Bericht aus erster Hand interessieren. :)

Ich würde davon ggf. die Frage trennen, ob diese Uni dir persönlich auch nützen mag.
Tja, ob's genützt hat, kann man unglücklicherweise meist erst im Nachhinein beurteilen...

Offline Ratatoskr

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Antw:Prestige-Universitäten
« Antwort #6 am: 25. Juni 2018, 23:14:33 »
Ich kenne Harvard ein bisschen über Turniere, also nur Sport. Da sind mir große kulturelle Unterschiede zu Studis in Deutschland aufgefallen, viel, was Selbständigkeit angeht.

Und: Der Druck ist schon enorm. Was ich meine, ist, ob man für sich davon ausgehen kann, ob man mit dem Setting zurechtkommt.
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Online Daphnis

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« Antwort #7 am: 25. Juni 2018, 23:23:23 »
Ach, danke, dass du es nochmal erläutert hast.

Hmm, ob sich dann der Wettbewerbsdruck in so einem Umfeld fürs spätere Leben lohnt? Ich bin da irgendwie sehr skeptisch.. Zwar hat man eine nett anzuschauende Laufbahn bescheinigt, wenn man auf eine angesehene Universität geht, aber was hat es alles denn genützt, wenn es in erster Linie doch nur um das Prestige ging, und nicht um das erlernte Wissen?
Man versteckt sich doch gewissermaßen im Schatten des (Universität-)Namens.
Und keine Ahnung, ich will nicht so enden wie Faust...  ;D

Offline jumpaaa

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« Antwort #8 am: 29. Juni 2018, 22:25:23 »
ich will nicht so enden wie Faust...  ;D

das wirst du eh :P
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-Robert Gernhardt-

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Online Daphnis

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« Antwort #9 am: 2. Juli 2018, 21:54:28 »
Ach? Willst du mir dann unangenehme Fragen bezüglich meiner Religion stellen?  ;)

Offline provinzler

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« Antwort #10 am: 3. Juli 2018, 15:56:05 »
Nach meinem Kenntnisstand lohnen sich diese Prestige-Unis zumindestens finanziell in erster Linie in den Geisteswissenschaften. Liegt daran, dass das Spektrum der erlernten spezifischen Fähigkeiten da weniger standardisiert ist und die reine Zulassung als Indikator für allgemeine Qualitäten wie Intelligenz und Fleiß gesehen wird. Hilfreich sind sicherlich auch die zahlreichen Netzwerke mit Ehmaligen, die den Einstieg doch gehörig erleichtern können. Allerdings besteht auch die latente Gefahr den Boden unter den Füßen zu verlieren und sich in einer Parallelwelt zu verabschieden wo man mit den Sorgen und Nöten normaler Leute gar nicht mehr in Berührung kommt. Falls man dazu die passende Balance findet, warum nicht. Muss man mögen (wie alles andre auch)...
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